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Wald in Not

Extreme Dürre, Borkenkäferbefall, Waldbrände und Stürme. Der deutsche Wald ist in Not.

 

Das zeigen die massiven Schäden, die die letzten beiden
Jahre dem Baumbestand in Deutschland zugefügt
haben. Wald- und Forstverbände schätzen die finanziellen
Verluste auf mehr als 2 Mrd. Euro. Und sie fordern
massive staatliche Unterstützung zur Schadensbeseitigung
und zur Aufforstung.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hatte
die Verbände deshalb zu einem Gespräch eingeladen,
um Schäden und Hilfen abzuschätzen und die Unterstützung
zu koordinieren. Die vorläufigen Ergebnisse
der Diskussion erläuterte die Ministerin vor der Presse
in Berlin.

Im vergangenen Jahr seien durch Stürme, Dürre,
Brände und Borkenkäferbefall mehr als 110.000 Hektar
Wald verloren gegangen, so die Ministerin. Das entspricht
etwa der Fläche von Berlin und Potsdam. „Wer
in Deutschland unterwegs ist in den Wäldern, sieht Dramatisches“,
sagte sie. „Uns fehlen über 100.000 Hektar,
die einfach weg sind.“

 

ES GIBT SCHON GELD FÜR DEN WALD

Der Waldgipfel findet am am 25. September statt. Die
Waldverbände hatten die Kosten für die Aufarbeitung
der durch die Trockenheit entstandenen Schäden im
deutschen Wald bereits am Mittwoch bei einer eigenen
Pressekonferenz auf mehr als zwei Mrd. Euro geschätzt
und „zügige politische Entscheidungen für staatliche
Hilfen und eine unbürokratische Umsetzung“ gefordert.
HISTORISCH HOHE SCHÄDEN, LAUBBÄUME BETROFFEN
Allein durch Brände ging 2018 eine Fläche von 3.300
Fußballfeldern verloren. Mancherorts war die Arbeit von
Generationen binnen kurzer Zeit vernichtet worden.
Fachleute erwarten für 2019 sogar noch eine größere
Menge Schadholz, da auch dieser Sommer viel zu
trocken und heiß war.
Bisher waren hauptsächlich die Fichtenbestände
betroffen. Nun ist jedoch erkennbar, dass nicht nur die
Nadelbäume von der extremen Witterung geschädigt
sind. Mittlerweile weisen auch Laubbäume gravierende
Schäden auf. So sind derzeit bei der Rotbuche vielerorts
Absterbeprozesse zu beobachten.
Auch bei anderen Laubbaumarten zeichnen sich offenbar
diese schleichenden Schädigungen ab. Nach Einschätzung
Klöckners sind die Wälder damit in Gänze und in
allen Regionen betroffen und benötigen schnelle Hilfe.

 

WÄLDER SIND ENTSCHEIDEND FÜR KLIMASCHUTZ

Wälder sind nach Klöckners Einschätzung unverzichtbar
für den Klimaschutz. Aber: Sie sichern auch Einkommen
und Arbeit in den ländlichen Räumen, und liefern den
nachhaltig verfügbaren und klimafreundlichen Roh-,
Bau-, Werkstoff sowie Energieträger Holz. Außerdem
dienen die Wälder der Erholung der Bevölkerung und
sind wichtig für die Biodiversität.
Diese Funktionen können die Wälder jedoch nur erfüllen,
wenn ihnen in Not geholfen wird. Die Bundesministerin
steht deshalb mit den Bundesländern in einem engen
Austausch darüber, wie die Hilfe für betroffene Waldeigentümer
verstärkt werden kann. Bereits im vorigen
Jahr waren auf die Initiative von Klöckner hin neue
Fördermaßnahmen in der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur
und Küstenschutz (GAK) auf den Weg gebracht
worden, um Schäden in den Wäldern zu bewältigen.
Der Bundestag stellte außerdem zweckgebunden für
fünf Jahre zusätzlich 25 Millionen Euro bereit. Dieses
Geld verstärkt die bereits bestehenden GAK-Mittel, die
etwa 30 Millionen Euro pro Jahr betragen.
ES GIBT SCHON GELD FÜR DEN WALD
Im Regierungsentwurf zum Haushalt 2020 ist zudem
vorgesehen, die zweckgebundenen Mittel zur Bewältigung
von Extremwetterfolgen im Wald in der GAK von
derzeit 5 auf 10 Millionen Euro im Jahr zu verdoppeln.
Dazu kommen steuerliche Erleichterungen für betroffene
Waldeigentümer.
Seit 2013 gibt es mit dem Waldklimafonds zudem ein
wichtiges Bundesprogramm zugunsten des Waldes mit
jährlich rund 20 Millionen Euro. Ab 2019 sind es rund 25
Millionen Euro. Auch über den Waldklimafonds wurden
seit 2013 zahlreiche Projekte gefördert, die dazu beitragen,
die Wälder an den Klimawandel anzupassen.

 

LANGFRISTIG DENKEN UND PLANEN

Kurzfristige Hilfen sind zwar wichtig – jedoch fordert
die Ministerin dazu auf, langfristig zu denken. Das
Ökosystem Wald müsse verstärkt an die Herausforderungen,
die mit dem Klimawandel einhergehen, angepasst
werden. Dies gehe jedoch nicht von heute auf
morgen, sagte Klöckner.
Wichtige Maßnahmen, um die künftigen Anforderungen
zu bewältigen, sind, neue trockenheitstolerantere
Baumarten zu finden und zu pflanzen, die Wasserspeicherfähigkeit
der Waldböden zu verbessern, aber
auch Baumarten mit unterschiedlichen Ansprüchen und
Eigenschaften zu mischen.
Dazu kommt die Aufgabe Waldzustand, Schadensrisiko
und Schädlingssituation zu analysieren (Monitoring)
und nicht zuletzt die Waldhygiene deutlich zu intensivieren
– wie etwa die rasche Beseitigung von Brutmaterial
für Schaderreger.
Mit Material vom
Bundeslandwirtschaftsministerium

 

GROSS ANGELEGTES AUFFORSTUNGSPROGRAMM

Angesichts der sehr ernsten Lage sprach sich die Bundesministerin
für ein groß angelegtes, nachhaltiges Aufforstungsprogramm
mit standortangepassten Bäumen
für robuste Mischwälder aus. Für dieses Programm und
die anschließende Pflege sind nach derzeitigen Schätzungen
mindestens 500 Millionen Euro nötig.
„Hätten wir den Wald nicht, dann hätten
wir 14 Prozent mehr CO2-Emissionen“,
sagte Klöckner. Im Sinne des Gemeinwohls
müsse der Wald deshalb noch
stärker an den Klimawandel angepasst werden.

 

NATIONALER WALDGIPFEL SOLL KLÄRUNG BRINGEN

Bereits am Vormittag hatte sich die Ministerin mit
Vertretern der Waldbesitzer, der Forstwirtschaft, des
Naturschutzes, der Waldjugend, der Holzverarbeitung,
des Städte- und Gemeindebundes sowie der Jagdverbände
in Berlin beraten.
Das Treffen im BMEL sollte die Praktiker an einen Tisch
bringen und einen gegenseitigen Austausch über die
Waldschäden und den Einsatz der Hilfsmaßnahmen
ermöglichen. Die Anregungen der Verbände sollen dann
in den Nationalen Waldgipfel einfließen.
Mit Blick auf den wichtigen Beitrag des Waldes zum
Klimaschutz warnt die Ministerin: „Die Bäume, die
fehlen, können nicht zur Senkung des CO2-Ausstoßes
beitragen.“ Wer aufforste, habe kommende Generationen
im Blick. Die Hilfen seien deshalb eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

 

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